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Mit dem “Wirkstoff-Taxi” auf den Weltmarkt

Halle, 01. Oktober 2014. Hatschi! Manchmal kann der Schnupfen auch Vorbild sein. Zumindest sein Mechanismus, mit dem ein Grippevirus seinen genetischen Code in die menschliche Zelle schleust, um sich dort zu vermehren. Wie wäre es nun, wenn man sich etwas von diesen Transportmechanismen abschaut? Zum Beispiel, um neue Wege für eine Wirkstoffadressierung im menschlichen Körper zu finden – hauptsächlich zur zielgenauen Behandlung von Tumoren. Die Zeiten, in denen der gesamte Körper zur Behandlung mit großen Dosen an Wirkstoffen belastet werden muss, wären demnach vorbei.

„Wir haben quasi das Taxi für Wirkstoffe erfunden. DNA geht schließlich nicht freiwillig in die Zellen“, vereinfachte Dr. Steffen Panzner, Geschäftsführer der Lipocalyx GmbH, zum allgemeinen  Verständnis das Prinzip seiner neuen, vielversprechenden Viromer-Technologie. Das im halleschen Technologiepark Weinberg Campus ansässige Biotechnologie-Unternehmen hatte in dieser Woche zur Fachkonferenz ins Biozentrum eingeladen. Neben Akteuren aus Wissenschaft und Wirtschaft waren auch politische Vertreter gekommen – darunter Sachsen-Anhalts Wissenschaftsstaatssekretär Marco Tullner sowie Halles Beigeordneter Egbert Geier.

Lipocalyx, das machte Panzner noch einmal deutlich, stelle keine Wirkstoffe her. Darum gehe es auch nicht, sondern um so genannte  Viromer®-Reagenzien, mit denen man speziell Gene oder Teile davon punktgenau in menschliche Zellen transportieren könne. Das Besondere: Viromere wirken auch in schwer zugänglichen Zellen, etwa aus frisch isoliertem Gewebe, Immunzellen oder Stammzellen. Im Unterschied zu anderen am Markt verfügbaren Reagenzien verfügen Viromere dabei über einen aktiven Freisetzungsmechanismus aus den sogenannten Endosomen, der eine sichere und zellschonende Transfektion ermöglicht. Optimierte Viromere sind erhältlich für siRNA sowie miRNA (Viromer BLUE und Viromer GREEN) sowie für DNA Plasmide (Viromer RED und Viromer YELLOW). Mit dem neuartigen Black-Viromer BLACK halte man zudem ein Premiumprodukt in den Händen, das noch perfekter wirke. „Selbst bislang schwer erreichbare Zellen, etwa im Hirn oder Mund, könne man adressieren“, so der 48-Jährige, dessen biomedizinisches Knowhow auch aus der früheren Novosom AG stammt.

Neben der Grundlagenforschung und Entwicklung produziert das Unternehmen selbst. Abnehmer für die Produkte sind sowohl die Industrie als auch pharmazeutische oder universitäre Forschungseinrichtungen. Neben dem Vertrieb  über GenDiscovery (Taiwan), Interchim (Frankreich) und über die Firma Maibio (China) habe man jüngst einen Durchbruch erzielt. Seit dem 1. September sitzt die Firma OriGene Technologies (Rockville, MD) als amerikanischer Partner mit im Boot. „Wir profitieren vom Branding, also von der Marke OriGene“, so Panzner. Das global agierende Unternehmen sei der Schlüssel zum Weltmarkt. Ziel sei es, realistisch zu bleiben. Perspektivisch, so Panzner, wolle man in den nächsten Jahren Partner der Wirkstoffentwicklung werden. Zudem solle bis 2016 der therapeutische Beweis von der Wirksamkeit für alle Viromer-Produkte angetreten werden.

Quelle: www.wissenschaft-in-halle.de

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