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Dreiklang vom weinberg campus

In Zeiten, in denen Fördermittel knapper werden, heißt es für viele Technologie-Firmen und wissensbasierte Unternehmen nach mehr Wertschöpfungs-Möglichkeiten zu suchen. Auch die Univations GmbH, in der seit Jahresbeginn der neue Geschäftsführer Daniel Worch die Fäden zieht, strebt Nachhaltigkeit an und verfolgt finanzielle Unabhängigkeit. Zudem setzt das Unternehmen verstärkt auf das strategische Bündnis mit der Martin-Luther-Universität Halle (MLU) und dem hiesigen Technologie- und Gründerzentrum (TGZ). Michael Deutsch sprach mit dem neuen Univations­-Geschäftsführer Daniel Worch sowie mit dem neuen TGZ-Geschäftsführer und früheren Univations-Chef Dr. Ulf-Marten Schmieder über Herausforderungen und Chancen.     

Der eine Geschäftsführer geht zum TGZ, und ein anderer rückt bei Univations nach. Wie kann man sich den Wechsel der Führungspositionen vorstellen?

Ulf-Marten Schmieder: Natürlich nicht so abrupt, wie das jetzt klingen mag, ganz im Gegenteil. Ich bin schon vor zwei Jahren angesprochen worden, ob ich mir vorstellen könne, die Nachfolge von Professor Wolfgang Lukas im TGZ anzutreten. Wir haben uns damals geeinigt, falls die Entscheidung so ausfällt,  dass es nur eine gut überlegte, schrittweise Nachfolgeregelung geben kann.

Und wie sieht die Nachfolgeregelung aus?

Ulf-Marten Schmieder: Durch eine beidseitig geprägte Einarbeitungsphase. Ich war vor dem Wechsel bereits ein halbes Jahr Prokurist vom TGZ, um das Geschäft kennenzulernen. Zeitgleich habe ich weiter Univations geleitet und diese Regelung auch bei uns angewandt. Daniel Worch war zu dieser Zeit schon Prokurist bei Univations. Kurz: Es gab keinen harten Schnitt, sondern eine besonnene Übergangsphase.

Univations wurde 2004 gegründet, 2006 in eine GmbH umgewandelt. Warum war dieser Schritt notwendig?

Ulf-Marten Schmieder: Die Idee für Univations entstand in einer Zeit, als es keinerlei Unterstützung für Gründungen aus Hochschulen gab. Zumindest nicht in Sachsen-Anhalt. Hauptsächlich mit Hilfe des damaligen Prorektors Prof. Reinhard Neubert ist es gelungen, das Land von dieser Idee zu überzeugen. 2004 startete Univations als reines Förderprojekt der MLU, doch wir haben damals schon gesagt, was in jedem Förderprogramm steht: Man muss sich über die Nachhaltigkeit Gedanken machen. Ziel ist es auch für Univations immer gewesen, wirtschaftlich tragfähig zu sein. Im Juni 2006 wurde deshalb die GmbH gegründet.

Im Bereich Start-up-Unterstützung zu wirtschaften, ist sicher nicht einfach,  müssen junge Unternehmen doch meist jeden Euro umdrehen. Wie hat sich Univations hier aufgestellt?

Daniel Worch: Wir verfolgen eine klare Strategie. Geld lässt sich natürlich nicht explizit in der Gründungsbetreuung verdienen. Gründer sind unsere Kunden, die Dank der Förderung von Bund und Land noch kostenfrei unterstützt werden. Unsere Überlegung reicht aber weiter. Wenn ein Unternehmer, also ein früherer Gründer, nicht mehr in einen Förderrahmen passt, können und wollen wir ihn weiterhin begleiten, beraten und unterstützen – allerdings auf Rechnung. Kurz: Wir versuchen zu Anfang  Start-ups flott zu machen. Sobald jemand im Markt aktiv ist, muss er sich Stück für Stück auch an den Dienstleistungen beteiligen.

Ulf-Marten Schmieder: Das ist im Grunde nicht neu. Im Zusammenhang mit der Beteiligung an der Ausschreibung des Bundeswirtschaftsministeriums zur EXIST-Gründerhochschule haben wir 2010 ein dreiteiliges Modell entwickelt: Erstens: Alle Aktivitäten vor der Gründung finden unter Trägerschaft der MLU statt. Zweitens: So bald jemand nach der Gründung in den Markt geht, wird er von der GmbH begleitet. Die GmbH agiert dabei parallel zu den Aktivitäten, die mit Fördermitteln an der Universität stattfinden. Und drittens: Idealerweise wird das Unternehmen beim späteren Wachstum weiterhin von Univations betreut. Kundenbindung ist dabei oberstes Ziel, da wir natürlich alle Start-up-Unternehmen in der Region halten wollen.

Welche Zukunftsmelodie haben Sie als neuer Geschäftsführer von Univations im Ohr?   

Daniel Worch: Ein gewisser Dreiklang ist mir wichtig, der hörbarer sein muss. Ich meine damit die strategische Zusammenarbeit zwischen den drei Akteuren Universität, TGZ und Univations. Alle hängen zusammen und voneinander ab. Die Universität und die Forschungseinrichtungen generieren Ideen. Das TGZ, das stellvertretend für die hier angesiedelten wissensbasierten Unternehmen steht, stellt die Infrastruktur zur Verfügung und verantwortet das Standortmarketing. Univations, als dritte Größe, ist das Bindeglied zwischen beiden und kann die Gründungsprojekte und angesiedelten Unternehmen inhaltlich unterstützen.

Wie sehr ist diese Abhängigkeit gegeben?

Daniel Worch: Wenn die Uni und die angegliederten Forschungseinrichtungen gute Forschung betreiben, aber im Elfenbeinturm bleiben und nichts in die Verwertung bringen, bekommen sie Probleme hinsichtlich der Förderlegitimation. Die Ministerien handeln da pragmatisch, fragen sich, wo  die Wertschöpfung bleibt. Umgekehrt kann sich auch das TGZ nur entwickeln, wenn genügend Gründer nachrücken, Arbeitsplätze schaffen, Steuern zahlen. Und Univations braucht beide Partner, um erfolgreich zu sein. Wichtig ist, dass alle Partner gut zusammenspielen.

Interview: Michael Deutsch

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